Der Welterfolg der dem Verismo nahestehenden Oper »Andrea Chénier« von Umberto Giordano, 1896 in Mailand uraufgeführt, hat - ungeachtet des französi- schen Stoffs über den bedeutendsten Lyriker des 18. Jahrhunderts und Verfasser politischer Aufsätze, André Chénier - ausgesprochen italienisch-patheti- schen Charakter.
Chénier wurde als Monarchist am 25. Juli 1794 als eines der letzten Opfer der französischen Revolution durch die Guillotine hingerichtet. Auf der Grundlage der Oper mit der blühenden Melodik und dem stark überhöhten dramatischen Nerv und unter Verwendung der an Erlebnistiefe und Natürlichkeit des Empfindens reichen Lyrik des Dichters, von Partikeln aus literari- schen und politischen Dokumenten seiner Zeitgenos- sen, sowie Segmenten des blanken Librettos Luigi

Illicas, entwickelt das Autorenteam mit den radio- phonischen Mitteln des Hör- spiels eine Collage: Ideal- fiktion und Mythos nehmen, indem sie der Wirklich- keit gegenübergestellt werden, Gestalt an.
André Chénier, nur 32 Jahre alt geworden, hat in den viereinhalb Monaten, die er vor seiner Hinrichtung in Saint-Lazare verbrachte, einige Verse geschrieben, in denen er die gedämpfte Eleganz abstreifte und sich in feierlich-strenger Form gegen sein Schicksal auflehnte. Er schmähte die Mörder und erkannte die Ge- fahren dieser neuen Herrschaft.

»HÖRFUNK HEUTE. Im Club der Jakobiner galt er als Höfling und Reaktionär: André Chénier, der wohl bedeutendste Lyriker des 18. Jahrhunderts und Ver- fasser politischer Aufsätze. In den Pari- ser Salons gaukelte er eine aristokratische Ab- stammung vor, empörte aber gleichzeitig die

Adelsgesellschaft mit Appellen für Freiheit und Humanität. Obwohl er der französischen Revolution mißtraute, teilte er doch viele ihrer Ziele. Dem Ter-

ror Robespierres, den der 1762 geborene Dichter schon früh voraus- geahnt hatte, fiel er schließlich zum Opfer. In ihrer ‘Revolutionscollage verknüpfen Karlheinz Barwasser, Michael Peter und Robert Stauffer die Lebensstationen Cheniers und dessen Gedichte mit der Chronik der politischen Ereignisse und Szenen aus der Oper ‘Andrea Chénier’, die der Italiener Umberto Giordano rund hundert Jahre später komponierte.«

Süddeutsche Zeitung

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Revolutionscollage
André Chénier - ein besserer Dichter ohne besseres Schicksal
Hörspiel von Karlheinz Barwasser, Michael Peter und Robert Stauffer
Hörprobe: 1 Ausschnitt
Gesamtdauer: 02:21 Stereo
© 1988 BR / Autoren

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